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7. Juni 2017

Postfaktische Energiepolitik – Was wir eigentlich für den Klimaschutz tun müssten

Mit Prof. Dr. Volker Quaschning Professor für Regenerative Energiesysteme

Prof. Dr. Volker Quaschning, Jahrgang 1969, hat Elektrotechnik an der Universität KIT Karlsruhe studiert, und promovierte anschließend an der TU Berlin zu Verschattungen von Photovoltaiksystemen. Seine Habilitation befasst sich mit Strukturen einer klimaverträglichen Energieversorgung. Beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt war er Projektleiter für solare Systemanalyse, bevor er zur HTW Berlin wechselte. Dort ist er seit 2004 Professor für das Fachgebiet Regenerative Energiesysteme und Sprecher für den Studiengang Regenerative Energien.

Die Energiewende hat, vorsichtig gesagt, in der Politik nicht die verdiente Priorität. Welche positiven Entwicklungen sehen Sie, die trotzdem Grund zur  Hoffnung machen?

Im Gegensatz zu Donald Trump steht mit Ausnahme der AfD die deutsche Politik fast geschlossen hinter den international vereinbarten Klimaschutzzielen. Das Dilemma ist, dass das aktuelle Tempo der deutschen Energiewende zum Erreichen der Klimaschutzziele um den Faktor vier zu niedrig ist und dass nicht einmal die Opposition das nötige Tempo einfordert. Für die echten Klimaveränderungen sind aber die realen Treibhausgasemissionen und nicht Versprechungen aus der Politik relevant. Daher sind zunehmend negative Klimabotschaften zu erwarten, die den Handlungsdruck zum Klimaschutz verschärfen. Eine grundsätzliche Bereitschaft zum Klimaschutz ist da ja schon einmal ein Anfang.

Unter dem Stichwort Sektorenkopplung deutet sich eine tiefgreifende Transformation der Energielandschaft an. Welche Trends zeichnen sich ab, und welche Technologien sind zukunftsfähig?

Meinen wir unser Bekenntnis zum Pariser Klimaschutzabkommen ernst, müssen wir zwischen 2030 und 2040 kohlendioxidneutral werden. Bereits in wenigen Jahren dürften dazu keine Öl- und Gasheizungen sowie Autos mit Verbrennungsmotoren mehr verkauft werden. Die Elektromobilität und elektrische basierte Heizungssysteme werden stattdessen zum Einsatz kommen. Der dafür benötigte Strom muss ausschließlich aus erneuerbaren Energien stammen. Wollen wir das schaffen, müssen die Zubaukorridore für Solar- und Windkraftanlagen erheblich angehoben und auch schnellstmöglich Speicher errichtet werden. Die Technologien sind heute bereits bekannt und müssen nun im nötigen Umfang zum Einsatz kommen.

Die Energiewende trägt auch zu Akteursvielfalt und Dezentralisierung bei. Welche Rolle spielen Gemeinden und Kommunen dabei? Wie wird sich die Funktion zum Beispiel der Stadtwerke verändern?

Die Energiewende kann nur gelingen, wenn uns beim weiteren Ausbau der Windkraft und der Photovoltaik nicht die Akzeptanz verloren geht. Gerade die Akteure vor Ort sind prädestiniert, einen ambitionierten Ausbau gemeinsam mit der Bevölkerung zu planen und zu bewerkstelligen und damit überhaupt die Energiewende und den Klimaschutz zu ermöglichen. Die Stadtwerke können durch ihre engen Kundenkontakte dabei eine enorm wichtige Rolle einnehmen.

Am 13. Juli treffen sich Politik, Wirtschaft und Forschung in Potsdam zum Branchentag Erneuerbare Energien Brandenburg. Welche Impulse erhoffen Sie sich von dem Branchentag?

Ich wünsche mir, dass die Brandenburger Landesregierung endlich erkennt, dass der Klimawandel mit seinen katastrophalen Folgen auch nicht an Brandenburg vorbeigehen wird, dass sie sich endlich zu den nötigen Klimaschutzmaßnahmen bekennt und Verantwortung für die künftigen Generationen übernimmt. Dazu gehört ein sozialverträglicher Kohleausstieg bis 2030 und ein massiver Ausbau der erneuerbaren Energien.

https://www.bwe-seminare.de/veranstaltungen-branchentag-erneuerbare-energien-brandenburg